Schinken im Kerzenlicht

Reportage über das Pikkujouluwochenende 2009 im Harz

Kaum in Oderbrück angekommen, wird Anja schon sehnsüchtig erwartet. Sie ist für dieses Wochenende zur Küchenchefin ernannt. Da die rund 20 Teilnehmer aus ganz Deutschland angereist sind, haben natürlich alle großen Hunger. Schnell wird vom Küchenteam Abendbrot gezaubert und an der großen Tafel gemeinsam genossen. Einige kennen sich schon, Andere nutzen die Gelegenheit sich kennenzulernen. Um dies zu beschleunigen wird nach dem Essen eine kleine Vorstell-Runde begonnen. Jeder gibt kurz Namen und anderes Wissenswertes von sich preis und erzählt woher seine Liebe zu Finnland kommt. Wichtige Kriterien für die Finnlandbegeisterung sind der Sport und die Musik. Überraschend, wie viele sich tatsächlich mit der finnischen Sprache beschäftigen und diese sogar fließend oder teilweise beherrschen, so klingt der Abend in einer gemütlichen Runde aus.

Um 9 Uhr ist für Samstag das Frühstück angesetzt. Doch schon um 8:45 Uhr ist nahezu die ganze Gruppe hungrig und bereit zum Schlemmen. Nur ein Teilnehmer, für den das finnische Bier am Vorabend wohl doch zu stark war, muss leider auf das leckere Frühstück verzichten. Um unnötige Kalorien schnell wieder loszuwerden, steht Sport auf dem Programm: Auf dem Hof wird Mölkky gespielt, später sogar wegen des Regens im „Speisezimmer“, in der Turnhalle Tischtennisrundlauf. Einige Hartgesottene machen sich trotz der schlechten Wettervorhersage auf den Weg, um den Oderteich – Deutschlands älteste Talsperre von 1714 – 1721 gebaut von Knappen für den Grubenbetrieb – zu um runden. Zu ihnen gesellt sich Niedersachsens DFG-Vorsitzender Siegried, der für ein paar Stündchen zu Besuch kommt. Zwei ganz Mutige verabschieden sich tatsächlich von der Gruppe und begeben sich auf die Spuren von „Brocken Benno“, der seit 1989 fast täglich auf den Brocken wandert. Der Brocken ist mit seinen 1.141 m ü. NN der höchste Berg im Norden Deutschlands und bei den Wettervorhersagen an diesem Tag sicher nicht einfach zu erklimmen. Unsere anderen Nationalparkerforscher schaffen es schließlich noch vor dem großen Regen trocken und pünktlich zum Mittagessen. Nach dem Lunch wird es wirklich „finnisch“. Drei junge Frauen, die ihre finnischen Koch- und Backkünste noch etwas auffrischen möchten, melden sich freiwillig, um unter der Anleitung der einzig anwesenden Finnin, unserer „Quotenfinnin“ Pirkko, etwas dazu zu lernen. Mit kleiner Hilfe durch das Kochbuch des Arbeitskreises der finnischen Seemannskirche in Hamburg namens „Traditionelle finnische Hausgerichte“, welches endlich wieder neu aufgelegt ist, werden als erstes Ohrfeigen – Korvapuustit – gebacken. Viel Mehl und original finnischem Kardamom, der eigentlich aus Asien kommt, aber nur in Finnland in der zum Backen gut geeigneten Konsistenz zu haben ist, kommen zum Einsatz. Die „Ohrfeigen-Back-Premiere“ klappt erstaunlich gut. Der beste Piroggenbäcker unter uns, Christian, zeigt nach den Korvapuustit, wie man perfekte karelische Piroggen – Karjalanpiirakka – backt. Als diese dann auch endlich fertig sind und die fleißigen Bäcker von oben bis unten „bemehlt“, werden, nach Auswahl von 3 finnischen Kaffeesorten, die Ohrfeigen serviert und mit Genuss gegessen. Während der Verkostung des leckeren Backwerks in gemütlicher Runde piept ein Handy. Nachricht vom Brocken: Sie haben es geschafft und sind auf dem Gipfel.

Nach dieser kurzen Verschnaufpause geht es in der Küche auch schon weiter. Das Abendbrot wird vorbereitet. Es gibt Weihnachtsschinken – Joulukinkku – der von Pirkko gespendet und schon zu Hause vorbereitet wurde, Mohrrübenauflauf – Porkkanalaatikko – und Steckrübenauflauf – Lanttulaatikko -. Diejenigen, die nicht mehr in die Küche passen, vergnügen sich währenddessen beim Tischtennis, Kickern und Kartenspielen.

Der Tisch wird am Abend feierlich, adventlich gedeckt. Im Speiseraum gehen die Lichter aus, ein köstlicher Duft verbreitet sich im ganzen Haus. Das Essen wird im Kerzenschein auf einem Servierwagen hereingefahren. Die Spannung steigt – der Appetit auch. Es ist fast zu schade, den Anblick des lecker duftenden, köstlich aussehenden Schinkens nur im Kerzenlicht zu präsentieren. Zum Schinken und den Aufläufen werden Piroggen mit Eibutter gereicht – köstlich. Das Essen ist wirklich gelungen und bringt uns unser Finnland bis in den Harz. Anschließend sitzt man bei Lapinkulta, Finnlandia (Wodka) und selbstgemachtem Horna beisammen. Was viele nicht wissen, Pirkko hat am Sonntag Geburtstag. Um 0 Uhr stellen wir also den Versuch an „Paljon onnea vaan“ zu singen. Gesanglich überzeugen wir zwar nicht, aber die guten Wünschen kommen von Herzen und Pirkko freut sich über unseren guten Willen, schließlich bekommt man ja nicht oft ein finnisches Geburtstagständchen gesungen, schon gar nicht im Harz. Einige hat die Harzer Luft müde gemacht, andere halten länger aus und lassen den Abend, typisch finnisch, bei ein, zwei, drei … „Absackern“ ausklingen.

Sonntagmorgen: Der Kaffeeduft treibt alle aus den Betten und es kann wieder pünktlich gefrühstückt werden. Anschließend heißt es „Sachen packen“. Schließlich muss auch in den Zimmern noch für Ordnung und Sauberkeit gesorgt werden. Der Organisator Thorben kontrolliert anschließend alles strengstens auf seine Richtigkeit. Einige haben noch eine lange Heimfahrt vor sich, so dass wir uns nun verabschieden müssen. Aber alle sind sich einig: Im nächsten Jahr gibt es ein Wiedersehen. Endlich spielt auch das Wetter mit. So können wir immerhin die Heimreise bei strahlendem Sonnenschein antreten.

Viel zu schnell geht das Pikkujouluwochenende vorbei. Auf ein Wiedersehen in Oderbrück 2010!