Julia Hübner referierte über das finnische Schulsystem

Am 25.11.08 referierte Julia Hübner über das finnische Schulsystem. Der Vortrag fand im Konferenzraum der IGS Franzsches Feld in Braunschweig vor einem interessierten und sachkundigen Publikum statt.

Frau Hübner ist Mitglied der DFG-Bezirksgruppe Braunschweig – und bis zum Studienbeginn – engagierte Teilnehmerin an unserem monatlichen Stammtisch und vieler Aktivitäten. Sie hat als Schülerin ein Auslandsjahr in Finnland verbracht und in dieser Zeit ein Lukio (Gymnasium) besucht. Inzwischen studiert sie an der Uni Greifswald Fennistik und Kommunikationswissenschaften. Ausgehend von ihren persönlichen Erfahrungen hat sie sich im Rahmen ihres Studiums intensiver mit dem Aufbau und den gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergründen des finnischen Schulsystems befasst.

Frau Hübner hat zunächst den strukturellen Aufbau des Bildungssystems vom Kindergarten bis zur Universität bzw. beruflichen Ausbildung vorgestellt: Wie sicherlich inzwischen allgemein bekannt besuchen alle Kinder bis zur 9. Klasse gemeinsam eine Schule, d. h. die Integrierte Gesamtschule ist in Finnland flächendeckend verwirklicht. Unterschiedliches Leistungsvermögen der Schüler wird durch eine – auch personell – sehr intensive Förderung aufgefangen. Dazu leistet sich dieses kleine Land Kindergärtnerinnen mit Hochschulausbildung, durch ein Auswahlverfahren „handverlesene“ Lehramtsstudenten und nicht zuletzt liebevoll und für eine moderne Bildung angemessen ausgestattete Schulen. Nach Abschluss der 9. Klasse trennen sich die Wege der Schüler in die gymnasiale Oberstufe (Lukio) und die meist schulisch organisierte Berufsausbildung

In der Diskussion, ob das finnische Schulsystem auf unser Land übertragbar sei, ist das Hauptgegenargument, dass Finnland und Deutschland zu unterschiedlich sind. In der Tat gibt es gravierende Unterschiede in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht: Zunächst einmal ist Finnland nicht in Bundesländer unterteilt, so dass die Bildungspolitik landesweit „aus einem Guss“ ist und somit überall dieselben verbindlichen Bildungsinhalte und –Zielvorgaben gelten.

In seiner Geschichte hat die finnische Bevölkerung für lange Zeiträume unter schwedischer bzw. russischer Herrschaft gelebt. Daraus resultierend ist ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Allgemeinwohl jenseits aller sozialen Unterschiede entstanden. Weiterhin hat der rasante Wandel vom Agrarland zum Hochtechnologieland zu einem großen Bedarf an gut ausgebildeten Menschen geführt. Aufgrund der geringen Bevölkerungszahl musste das Potential jedes Kindes – auch aus dem abgeschiedensten Winkel – nutzbar gemacht, d. h. entwickelt und gefördert werden

Dem Vortrag schloss sich eine intensive und weitere Aspekte betrachtende Gesprächsrunde an. Wir danken Frau Hübner für ihren sehr informativ und charmant gehaltenen Vortrag und der IGS Franzsches Feld für ihre Gastfreundschaft.