Lesung mit Petri Tamminen

Der finnische Schriftsteller Petri Tamminen und sein Übersetzer Stefan Moster waren Gäste unserer Bezirksgruppe in Braunschweig. Glücklicherweise konnten wir die Buchhandlung Neumeyer als Mitveranstalter gewinnen und waren sehr gespannt auf dieses erste gemeinsame Projekt.

Der Leseraum war gut gefüllt, es gab eine Begrüßung und die kurze Vorstellung des Autors durch Stefan Moster. Dann richtete Petri Tamminen freundliche Worte ans Publikum und sie stiegen beide in einen heiteren Dialog zur Vorgeschichte des Romans „Mein Onkel und ich“ (finnischer Titel „Enon opetukset“) ein. Petri Tamminen begann zu lesen, die anwesenden Muttersprachler spitzten die Ohren, lauschten und lachten – die „Fremden“ hörten ganz verzaubert zu und genossen die Eleganz und Musikalität der finnischen Sprache.

Dann folgte Stefan Mosters übersetzter Text. Es wurden uns Einblicke gewährt in den finnischen Familienalltag , wir erleben die hoffnungsfrohe Suche des Jungen Jussi nach einem männlichen Vorbild, einem Helden, er favorisiert seinen Onkel (eno – Onkel mütterlicherseits), er heißt Olli. Die geschilderten Szenen sind uns fast alle bekannt, aber man versteht sie völlig neu durch die Sinne des kindlichen Betrachters – diese Sicht erzwingt das Schmunzeln! Erwartungsvoll beobachtet Jussi den Umgang seines Helden-Onkel mit dem Wunsch des sterbenden Großvaters – so nimmt die Geschichte bis zur Enttäuschung ihren Lauf und Petri Tamminen versteht es meisterlich durch eine brillante Beobachtungsgabe seine Leser – in diesem Falle Hörer – in seinen Bann zu ziehen.

Nach der Lesung waren beide noch im lebhaften Gespräch zu zweit und mit dem Publikum. Tiefgründige Erörterungen zur „Krise“ des finnischen Mannes und skurrile Betrachtungen wechselten sich ab. Warum klopft der Held nur Sprüche, ist es Angst, Verweigerung oder gar der Verlust seines Holzschuppens, seines Reiches? Könnte der Computer ein adäquater Ersatz sein? Warum brauchen Frauen keine Helden, um den Anforderungen des Lebens gerecht zu werden?

Im Laufe des Gespräches wurde immer deutlicher wie komplex die Anforderungen an den Übersetzer sind: Der Autor verlässt sich darauf, seine Wortwahl, seinen Satzbau, seinen ganzen Stil und damit seine künstlerische Aussage auch in der Übersetzung in eine fremde Sprache getroffen zu sehen. Diese Verbindung gelingt den Beiden, das spürte man.

Ein ausgesprochen unterhaltsamer Abend, was besonders auch Stefan Mosters exzellenter Moderation zu danken ist.