Archiv der Kategorie: Berichte

Boßeln auf anderen Wegen

Am 1. Mai war wieder Boßeln angesagt. Doch bei Sturmwarnung mussten wir umplanen, denn die übliche Strecke durch den Wald war uns zu heikel.

Also trafen wir uns in Riddagshausen und entschieden uns spontan für einen anderen Weg. Vorbei an Wiesen mit tollem Blick auf die wunderschöne und imposante Klosterkirche. Und wir hatten Glück: Der Wind flaute ab und die Sonne zeigte sich.

Unsere fleißigen Boßelkugelholer waren wieder dabei und mussten diesmal hin und wieder weite Strecken voraus gehen. Die Zeit verflog bei netten Gesprächen und spaßigen Wurfrunden. Schließlich gab es ein Unentschieden und alle freuten sich, am Zielpunkt, einem Hochsitz, angekommen zu sein.

Unseren Proviant fürs Picknick hatten wir am Treffpunkt gelassen, da wir nur eine kleine Runde gehen wollten. Als wir den Hochsitz erreichten waren jedoch alle hungrig und beschlossen, den Weg zurück anzutreten.

Abgerundet wurde der Tag dann auf der Terrasse mit vielen leckeren kleinen Köstlichkeiten: Käseschnecken, Sandwiches, Karjalan Piirakka und Eibutter, Gemüse und Dip und Minttu-Kekse.

Erst als die Sonne unterging, löste sich die lustige Runde auf und trat den Heimweg an.

Nächstes Jahr gehen wir den Weg noch einmal – und dann mit Proviant im Gepäck und Picknick auf dem Hochsitz.

Harald Helanders Lebenserinnerungen

Der finnische Umweltschützer stellte in der Stadtbibliothek Salzgitter sein Buch vor

Man muss ihn erlebt haben, den Erbauer des Blockhauses am großen Flussbogen, der seine Zuhörer mitreißt sich einzusetzen für Natur- und Umweltschutz, denn es ist seine Herzensangelegenheit und er geht mit gutem Beispiel voran! Ein finnisch-deutscher agiler 84-Jähriger mit freundlichem Gesicht und gütigen, wachen Augen erzählt aus seinem bewegten Leben. Unfassbar, dass ein Mensch für die Bewahrung der letzten Urwälder Lapplands und des einzigartigen Wildnis-Sees Inari so vieles zuwege brachte. Er stritt, demonstrierte, organisierte, kämpfte, griff direkt ein, verhinderte Holzeinschläge großen Ausmaßes für die Papierindustrie, gigantische Stauseebauvorhaben und die touristische Erschließung der Uferzonen des Inari. Harald Helander scheute keine Anklage vor Gericht, appellierte mit großartigen Beiträgen und Interviews in Helsingin Sanomat, der Süddeutschen, dem Spiegel, der Zeit, vielen Lokal- und Umweltzeitungen, im Rundfunk, in Geo und auch in der DFG-Rundschau.

Er lebt mit der Natur im Einklang. Schon als junger Mensch begann er auf seinen langen, strapaziösen Alleinwanderungen die Natur mit allen Sinnen zu erfahren. Die Schönheit der Wildnis des Nordens hat ihn schon früh in ihren Bann gezogen und er verteidigt sie mit jeder Faser seines Herzens. Für seine Touren baute er ein selbst konstruiertes, tragbares Kanu und als Behausung am Ivalo-Fluss diente anfangs ein von seiner Frau Margarete genähtes Indianerzelt, welches sie gemeinsam zwei Jahre lang im Sommer und im Winter bewohnten.

Aber es gibt noch ein „zweites Leben“ des Umweltaktivisten als leitender Bauingenieur auf Großbaustellen in fast allen Teilen der Welt. Selbst wenn ihm der „rote Teppich“ ausgerollt wurde, lebte er ein bescheidenes Leben vor und sein Können, seine Durchsetzungskraft im harten Baugewerbe, wo man sich gewiss nicht mit Samthandschuhen anfasst, verhalfen ihm zu Hochachtung und großen Erfolgen. Auch im Beruf beschritt er ungewöhnliche Wege und kann manche Anekdote erzählen und von extrem gefährlichen Situationen berichten.

Den Traum vom selbstgebauten Blockhaus am Ufer des Ivalo verwirklichte sich das Ehepaar Helander mit Hilfe guter Freunde, ganz nach eigenen Ideen, ohne Eingriffe in die umgebende Natur. Mittlerweile hat sich Harald Helander einen großen Bekanntheitsgrad „erstritten“ und seine Erfahrungen, sein Wissen sind weltweit gefragt.

Eine spannende, unglaubliche Lebensgeschichte, die hoffentlich viele ebenso mutige Nachahmer findet, die es wagen sich einzusetzen.

Ein herzliches Dankeschön an den NABU, auf dessen Einladung Harald und Margarete Helander zu dieser Vortragsreihe auch nach Salzgitter gekommen sind!

Wer keine Gelegenheit hatte den Vortrag zu hören, bzw. zu spät davon erfuhr, weil die Kipinä verzögert eintraf, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.

Brigitte Schöne

Begegnungen mit Finnland – Erinnerungen, die bleiben

Einen ganz persönlichen Einblick in seine stetig gewachsene Liebe zu Finnland gewährte uns Prof. Dr. Axel Bleckwedel in seinem Diavortrag anlässlich des finnischen Jubiläumsjahres im Blauen Saal des Braunschweiger Schlosses. Die Volkshochschule Braunschweig und die Stadtbibliothek gewannen wir glücklicherweise als Mitveranstalter.

Die Reise zum Nordkap – ein Geschenk der Eltern zum bestandenen Abitur, war der Startschuss für die Nordlandsehnsucht Axels. Es folgten Reisen als Student mit Freunden, als junges Paar mit seiner Helga, als Familienvater mit Kindern. Er zeigte sich u.a. als Skilangläufer, Rallyefahrer, Liebhaber kleiner finnischer Cafés, Ballonpassagier und schwimmend zwischen Eisschollen im Bottnischen Meerbusen, anfangs als Zeltler und später im gemieteten Mökki wohnend. Berufliche Aufenthalte als Gastdozent in Helsinki kamen noch ergänzend hinzu.

In mehr als 40 Jahren hat er mit seiner Kamera Unmengen Bilder in Finnland eingefangen und für den Zuschauer aus diesem Fundus eine interessante, nachvollziehbare Retrospektive erstellt. Eine gewaltige Fleißaufgabe, da er ja nicht als Fotojournalist reiste, sondern als ganz normaler an Land und Leuten interessierter Tourist, der große Freude am Fotografieren hat.

Aktuelles Zeitgeschehen, welches seine Aufenthalte zufällig begleitete, flocht Axel mit in seine Auswahl ein. Besonderes Augenmerk schenkte er der sich verändernden Hauptstadt Helsinki mit ihren herausragenden Bauwerken. Die Finlandia-Halle, die Akademische Buchhandlung von Alvar Aalto, Steven Holls Kiasma und das Musiikkitalo finden ihren Platz, aber auch Eila Hiltunens Sibelius-Monument und die Temppeliaukion kirkko als stiller Ort, der im Laufe der Jahre leider zum Rummelplatz mutiert ist.

So nebenbei führte er die Zuschauer an interessante Orte, wie zum Beispiel das tatsächlich existierende Antiquitätengeschäft in der Iso Roobertinkatu, einem Schauplatz aus dem Roman „Der Sohn des Donnergottes“ seines finnischen Lieblingsautors Arto Paasilinna. Er wirbt auch für ein Kleinod in Varkaus: das von einem Deutschen gegründete Museum für mechanische Musikinstrumente.

Als gastvorlesender Dozent an der  Arcada University in Helsinki entstanden dann auch noch ganz eigene Blicke hinter die Kulissen. Die freien Abende als „Alleinreisender“ animierten zusätzlich zu fotografischen Streifzügen.

Die während der Ballonfahrt entstandenen traumhaft schönen winterlichen Landschaftsbilder, die unberührte Natur suggerieren und die Schattenwürfe der Bäume im Sonnenlicht wie grafische Kunstwerke erscheinen lassen, sind das absolute Highlight des Vortrages.

Da Axel und  Helga nun auch seit ein paar Jahren ein zweites Standbein in Finnland haben – ihre Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind leben dort – sind Reiselust und Finnlandsehnsucht garantiert und wir können uns auf weitere „Begegnungen“ in Bildern mit Musik freuen.

November 2017          Brigitte Schöne

100 Jahre Finnland -Spätsommerfest im Park der Sinne in Hannover

Am 16. 9. 2017 trafen sich DFG- und Rengas-Mitglieder im Park der Sinne in Hannover zum Sommerausklang. Sonnenschein, blauer Himmel, ein wunderschöner Park und eine perfekte Organisation von Kaarina und Helga erwarteten uns.

Am Nachmittag schnitt die Landtagsabgeordnete Maaret  Westphely  (DFG-Mitglied, Tochter einer Finnin) die Finnland 100 Geburtstagstorte an.

Die Presse war da, auch beim Pölkky und Gummistiefelweitwurf gab es  Zuschauer, die Stimmung ausgesprochen fröhlich.

Dank an Kaarina und Helga!

 

Bericht: Brigitte Schöne

Kalevala – eine literarisch-musikalische Reise

Wie Brigitte in ihrem Bericht schon erwähnte, haben wir viele Ideen gesammelt, wie man das Jubiläumsjahr ausgestalten könnte. Die Liste reicht sicher noch für weitere Jahre. Eine Idee, die ich hegte und im Vorstand vorschlug, hieß „Kalevala“. Ich begann also – mal wieder – mich mit diesem Mythos zu beschäftigen und berichtete meiner Finnisch-Lehrerin Mari Aalto davon. Sie fand das Thema auch interessant und wir überlegten, ob man daraus nicht zweisprachig lesen könnte. Mari hatte bereits so eine Lesung zusammen mit Oliver Simon, dem Schauspieler des Braunschweiger Staatstheaters veranstaltet. Damals war ich fasziniert, dass sich mir der Inhalt des Romans „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen erschloss, trotz der für mich unverständlichen finnischen Passagen.

Mari nahm also wieder Kontakt zu Oliver Simon auf, der sich in das für ihn sicherlich fremde Werk rasch einarbeitete und immer mehr Gefallen an der in strengem Metrum gehaltenen Nachdichtung von Lore und Hans Fromm fand. Es folgte ein intensiver Prozess der Auswahl geeigneter Szenen und so reifte der Wunsch heran, doch auch Musik und Bilder einzubeziehen. Die Bilder fanden sich u.a. bei Akseli Gallen-Kallela. Die Suche nach passender musikalischer Untermalung sollte zunächst im heimischen CD-Regal stattfinden. Doch schon bald spukte der Gedanke an Live-Musik in unseren Köpfen. Es fand sich schließlich in Annika Steinke eine junge Sängerin und Instrumentalistin, die die alten Gesänge und das Kantelespiel souverän beherrscht.

Parallel zu den nun beginnenden Proben liefen für uns die organisatorischen Aufgaben: einen für alle Mitwirkenden passenden Termin finden, die Suche nach einem kostengünstigen, geeigneten Aufführungs-Raum, Plakate und Flyer entwerfen, den Karten-Vorverkauf organisieren und die Veranstaltung bewerben.

Am Aufführungstag erfolgten Bühnenbild, Beleuchtungseinrichtung und Bestuhlung aus eigener Kraft, um die Kosten niedrig zu halten. Der nüchtern-funktionale Studiosaal des Kulturzentrums Brunsviga in Braunschweig wurde liebevoll dekoriert: kleine Tischchen zwischen den Sitzreihen mit bunten Teelichtern (natürlich von Iittala), im Blick die Bühne mit neugierig machenden Gegenständen aus finnischer Vorzeit. Nur der Laptop, der die Bilder in den Beamer zauberte, als Sampo verkleidet, schlug den Bogen in die neue Zeit.

Über 50 Gäste kamen und waren gespannt auf das kleine Kammerspiel.

Oliver Simon, Mari Aalto und Annika Steinke spielten mit enormer Kreativität, Sensibilität und Lebendigkeit. Sie präsentierten eine Aufführung, die nicht nur meine Vorstellung und Erwartung weit übertraf.

Den Rahmen der Aufführung bildeten Tagebucheintragungen von Elias Lönnrot, der die Gesänge des Kalevala auf seinen Reisen sammelte und aufschrieb. Seine Ski-  und Wanderausrüstung gehörte u.a. zum Bühnenbild.

Die Wanderung führt nach Kalevala, der Heimat Väinämöinens. Er ist der Sohn der Göttin Ilmatar und erblickte bereits als alter und weiser Mann das Licht der Welt, einer magischen Welt. Er ist ein mächtiger Zauberer, der mit seiner Stimme Kraft Wunder wirken kann. Die größte Macht entfaltet er im Gesang, die sich noch steigert, als er die Kantele erfindet.

Einer der Gesänge handelt von der unglücklichen Aino, die lieber stirbt, als einen Greis zu ehelichen. Es folgt die Rache ihres Bruders und Väinämöinens Ankunft in Pohjola, dem Reich der Nordlandkönigin und die Werbung um die Hand der schönen Nordlandtochter. Um diese heimführen zu können, soll Väinämöinen etliche schwierige Aufgaben erfüllen. Er bewältigt sie alle, bis auf das Schmieden des Sampo „mit dem schönen bunten Deckel“, diese Arbeit überlässt er dem Schmied Ilmarinen. Im Laufe der Geschichte  zerspringt der Sampo im Kampfgewühl.

Oliver Simon ist es gelungen, die Gesänge von jeglichem Pathos zu befreien und die Kraft der altertümlichen Sprache durch geschickte Stimmführung, Gestik und Mimik herauszustellen. Dabei entfaltete er eine Natürlichkeit, die die Schönheit der Dichtung den Zuhörern nahebrachte. Die Dialoge mit Mari, die den finnischen Urtext vortrug, erschlossen sich inhaltlich durch eingearbeitete Zusammenfassungen, bzw. die an das Segel von Väinämöinens Schiff projizierten Bilder.

Annika Steinke umrahmte die Szenen mit zarten, fast meditativen Kanteleklängen und gestaltete die Gesänge anmutig mit ihrer glockenhell klingenden Stimme. Umso überraschender wirkte die Geräuschkombination, mit der sie das Schmieden des Sampo hörbar machte und die Zaubermühle mit einem Tritt gegen einen Blecheimer scheppernd zerspringen ließ.

Ich habe selten ein Publikum erlebt, das so in den Bann des Spiels gezogen war. Mit herzlichem und ausdauerndem Applaus zeigten die Zuschauer ihre Begeisterung. Eine tolle Aufführung, die hoffentlich noch an anderen Orten gezeigt werden kann.

Helga Belckwedel

Der „große Brocken“ wurde vertagt zugunsten der „Wiege Anhalts“

Ein Wandertag in bezaubernder Harzlandschaft mit interessanter Geschichtsstunde

Der bedeckte Himmel über Braunschweig hatte  keinen Einfluss auf unsere Wanderlust und am Treffpunkt in Ballenstedt erwarteten uns die DFG-Freunde aus Sachsen-Anhalt mit Sonnenschein. Im Schatten des imposanten Schlossensembles steht das Modell der Burg Anhalt, Weiterlesen

Neuer Vorstand in der Bezirksgruppe Braunschweig

Ein neuer „frischer“ Vorstand sollte bei der Mitgliederversammlung der DFG Braunschweig am 10. März 2016 nach 10-jähriger Amtszeit des alten Vorstandes gewählt werden. Nun ist ein Mix  aus neu und alt dabei herausgekommen: Katrin Söhl zeichnet als neue Vorsitzende, Helga Bleckwedel und Brigitte Schöne werden sie unterstützen.

Wir freuen uns über den unkomplizierten Wahlablauf, danken Janine für das Protokoll, Otso für die Versammlungsleitung und unseren Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen.

Brigitte Schöne für den Vorstand

Neuer Vorstand_Bild

Helga, Katrin und Brigitte

„Tage des letzten Schnees“

So heißt Jan Costin Wagners neuer Roman, den er im Herbst 2014 sehr erfolgreich auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte und woraus er als Gast der DFG in der Bibliothek im Braunschweiger Schloss vorlas. Alle Romane Wagners tragen kalte, dunkle, melancholische Titel (Das Schweigen, Eismond, Nachtfahrt, Das Licht in einem dunklen Haus) und sie halten was sie versprechen. Weiterlesen

Wandern im Märchenwald

Unsere Harznähe und den damit verbundenen Erholungsfaktor wissen wir Braunschweiger gar nicht genug zu schätzen. Erst wenn man sich dann mal aufrafft – wie am DFG-Wandertag der Bezirksgruppe geschehen, nimmt man sich vor, öfter eine so schöne, beschwerliche, aber glücklich machende Auszeit in der so nahen Natur des Harzgebirges zu genießen. Weiterlesen