„Tage des letzten Schnees“

So heißt Jan Costin Wagners neuer Roman, den er im Herbst 2014 sehr erfolgreich auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte und woraus er als Gast der DFG in der Bibliothek im Braunschweiger Schloss vorlas. Alle Romane Wagners tragen kalte, dunkle, melancholische Titel (Das Schweigen, Eismond, Nachtfahrt, Das Licht in einem dunklen Haus) und sie halten was sie versprechen.

Der 42-jährige Wagner ist verheiratet mit der finnischen Künstlerin Niina Wagner, kennt Finnland seit 22 Jahren, spricht die Sprache und hat dort auch seine Romane angesiedelt. Er schreibt keine brutalen, bluttriefenden Mordgeschichten, er lotet die Tiefe der Abgründe des menschlichen Seelenlebens aus. Er löst Kimmo Joentaas Fälle durchs Hineinschauen in seine Protagonisten, ihren Umgang mit Verlust und Trauer, er erzählt von zarten Schwingungen, Neigungen und Gefühlen. Seine psychologische Herangehensweise erinnert stellenweise an Krimis des viel zu früh verstorbenen finnischen Autors Matti Y. Joensuu. Wagner zwingt seine Leser geradezu über den Umgang mit Tod und Trauer nachzudenken.

Jan Costin Wagner las das erste, das zweite und spätere Kapitel aus „Tage des letzten Schnees“, er ist ein angenehmer Vorleser! Es sind drei spannende Erzählstränge, die sich dramaturgisch genial am Schluss des Buches als fein gesponnenes Netz zeigen – ein Drama, das unter die Haut geht und große Neugier weckt auf kommende Ermittlungen des finnischen Kommissars Kimmo Joentaa.

Im Anschluss an die Lesung beantwortete er sehr humorvoll und geduldig die vielfältigen Fragen seiner Zuhörer. Auch zu Übersetzungen, Verfilmungen und seinen Plänen gab er bereitwillig Auskunft. Da er auch Musiker ist, gab es natürlich auch viele Fragen zum Einfluss der Musik auf seine literarische Arbeit.

Wir werden gewiss hin und wieder von Jan Costin Wagner hören, danken ihm für den wunderbaren Leseabend und auch den Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Jan Costin Wagner

Jan Costin Wagner las in der Stadtbibliothek Braunschweig aus seinem Roman „Tage des letzten Schnees“

Foto: Axel Bleckwedel